Liebe Leserinnen und Leser,

vor 20 Jahren ist Léo Malet gestorben, der im deutschsprachigen Raum viel zu wenig bekannt ist. In seinem Essay widmet sich Tobias Gohlis Malets Leben und seiner Schwarzen Trilogie: „Ihre Helden sind Deklassierte, Außenseiter, verzweifelte Verbrecher, deren individueller Untergang noch einmal die Frage aufwirft, die André Colomer in seinen Schriften gestellt hatte: Wer ist schuldig? Die Gesellschaft oder der Bandit?“

Léo Malets „absurde(n) Ermittlungen im Treibsand einer untergehenden Kultur“ haben auch Robert Brack beeinflusst, der im Interview den Noir als die „erzählerische Form“ bezeichnet, „die meiner Weltanschauung entspricht.“ „Der Noir ist pessimistisch, aber er bezieht kämpferisch Position für die Erniedrigten und Beleidigten, auch das hat mich daran immer fasziniert. Wenn man Marx gelesen hat, wie kann man dann noch als Schriftsteller die Wände selbstgebastelter Wolkenkuckucksheime bemalen? Dementsprechend sehe ich meine Arbeit als Kriminalschriftsteller auch als politisch-aufklärerische Arbeit.“

Die Vergangenheit, die Geschichte, die ins Heute fortwirkt, spielt eine wichtige Rolle sowohl in dem schriftstellerischen Schaffen von Léo Malet als auch Robert Brack. Von Männern, die der Vergangenheit nicht entkommen können, erzählen auch zahlreiche Films noirs, darunter einer der bekanntesten, renommiertesten und nach Robert Brack der „beste amerikanische Film noir“ „Out of the past“. Wir haben uns den Film noch einmal angesehen.

Auch in den Büchern dieser Ausgabe sind die Folgen der Vergangenheit unübersehbar für die Protagonist_innen: In „Schwarzes Gold“ von Dominique Manotti ermittelt Commissaire Daquin im Marseille des Jahres 1973 und kommt Machenschaften auf die Spur, die bis heute aktiv sind. Ölgeschäfte treiben auch Weldon Holland in „Fremdes Land“ von James Lee Burke um – und schon hier wird deutlich, wie viel Macht mit diesem Rohstoff verbunden ist. In „Hades“ von der australischen Schriftstellerin Candice Fox ist das Handeln und Streben der Hauptfigur Eden noch von der Ermordung ihrer Eltern bestimmt und in „Die Füchsin“ spielt Ken Bruen gleich mit einigen bekannten Zitaten seiner Schriftstellerkollegen.

Viel SpaĂź beim Lesen
Ihre
Polar Noir

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