Geboren 1941 in Santa Monica ist Bill Moody Schriftsteller und Jazz-Musiker. Er studierte am Berklee College of Musik in Boston und spielte Schlagzeug u.a. mit Maynard Ferguson, Earl Hines und Lou Rawls. In seinen Roman verbindet er Jazz und crime.

„Der Spion, der Jazz spielte“ basiert auf autobiographischen Erlebnissen.
Ja, ich war 1967 für das Jazz Festival in Prag und wurde eingeladen, etwas länger zu bleiben. Letztlich war ich ein Jahr dort. Bei dem Buch musste ich dann die fiktionalen von den tatsächlichen Ereignissen unterscheiden.

Und wie viel von Bill Moody steckt in Gene Williams?
Vermutlich sehr viel. Nun, wir sind beide Drummer und ich denke, beim Schreiben eines solchen Buches ist kaum möglich, die eigene Persönlichkeit außen vor zu lassen.

Warum haben Sie die Geschichte als Spionageroman angelegt?
Die Situation hat das Genre bestimmt. Es ist eine riesige politische Geschichte, also erschien es mir am besten, sie mithilfe eines Spions zu erzählen.

Können wir vom Kalten Krieg etwas lernen?
Ich bin mir nicht sicher. Die Machtkämpfe halten bis heute an. Manchmal scheinen wir einfach nichts zu lernen.

Nach „Der Spion, der Jazz spielte“ war Ihre Buchreihe über Evan Horne wieder mit einem Musiker in der Hauptfigur. Gibt es Unterschiede zwischen einem Schlagzeuger und einem Klavierspieler, die sich in der Charakterisierung widerspiegeln?
Nicht wirklich, sie sind beide Jazzmusiker.

In Ihren Büchern beschäftigen Sie sich oft mit ungelösten Fällen. Was fasziniert Sie daran?
Ich bin einfach neugierig – und es gibt so viele Mysterien in der Jazz-Welt, dass ich ihnen gerne nachgehe.

Hören Sie beim Schreiben auch Musik?
Ja, normalerweise Solo Pianos oder Trios wie Bill Evans und Keith Jarret.

Wie wĂĽrden Sie die Beziehung zwischen Jazz und Literatur beschreiben?
Ich glaube, es gibt da eine enge Verbindung. Jazz scheint der perfekte Hintergrund fĂĽr Literatur zu sein, gerade fĂĽr Kriminalliteratur. Die Stimmung und das weite Klangspektrum fĂĽgen sich gerade mit Noir sehr gut zusammen.

Wo zum Beispiel?
Da gibt es sehr viele Beispiele, alleine wenn Sie Jazz und Noir einmal googlen. Mir fallen spontan „Sweet Smell of Success“, „I Want to Live“, „Mo Better Blues“ und „Bird“ ein.

Was ist Noir fĂĽr Sie?
Die dunkle Seite des Lebens, außerdem sind die Charaktere oft in Umständen gefangen, die nicht unter ihrer Kontrolle sind.

Welche Noir-Schriftsteller haben Sie besonders beeinflusst?
Elmore Leonard, Raymond Chandler, Ross MacDonald, Michael Connelly – nur um einige zu nennen.

Sie sind der erste Jazzmusiker, mit dem ich mich unterhalte, deshalb muss ich einfach fragen: Was denken Sie über „Whiplash“?
Ich fand den Film gut, ein wenig ĂĽbertrieben sicherlich. Aber dennoch, einen Film ĂĽber einen Schlagzeuger und seinen Lehrer zu machen ist fĂĽr das heutige Hollywood sehr bemerkenswert.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Sonja Hartl für Polar Noir im August 2015.

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