Im Gegenlicht n√§hert sich eine Silhouette. Ein magerer, hochgewachsener Typ, unbeholfen, wei√ü wie eine Dolipran-Tablette, bis auf das vom Aufenthalt im Freien gebr√§unte Gesicht. Die Wangen sind hinter einer Ray-Ban verborgen, er h√§lt eine gro√üe Plastikt√ľte in der Hand. Was ist denn das f√ľr ein Zeitgenosse? Auf weniger als zehn Meter herangekommen, nimmt er die Brille ab, ohne irgendwelche Theatralik.
Calo ist sofort klar, dass er diesen Kerl schon mal irgendwo gesehen hat, aber wo.
Darf ich?
Hier darf jeder.
Der Typ lässt sich nicht weit von ihm nieder. Aber auch nicht zu nah.
Erkennen Sie mich?
Ich habe Sie schon gesehen, aber es fällt mir gerade nicht ein.
Der Typ macht mit der flachen Hand an der Schläfe die Geste des salutierenden Gendarmen.
Sergeant le Tellier, Gendarmerie nationale.
Bingo, es ist der junge Polyp, mit dem er sich beim Besuch von Rosas Haus ein wenig angefreundet und mit dem er den Garten gepl√ľndert hat. Nackt. Ohne Uniform verlieren die Menschen unweigerlich ihr bisschen Macht. Es bleiben nur noch ein Kopf, zwei Arme, zwei Beine und ein Pillermann.


 

Jean-Bernard Pouy: Mord im Paradies der Nackte. √úbersetzt von Michael Halfbrodt. Verlag Edition AV 2009. (Nus, 2007)

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